Ein wahrhaft knallbuntes Volksfest

Am 12. Mai 2014 feiert der Küstenort die gescheiterte Piraten-Attacke von 1561

Der Qualm von Böllern legt dicke Rauschschwaden über den langgezogenen Bogen der Hafenpromenade von Port Sóller. Unermüdlich abgefeuert aus Escopetas, munitioniert mit  Schrotpatronen ohne Bleikügelchen. Vom Meer aus sind die dicken und dichten Schwaden, will man seinem Trommelfell nicht zuviel zumuten, am besten zu beobachten. Roter, dicker Rauch, wie ihn sonst nur Bengalos liefern, durchzuckt von Blitzen und ohrenbetäubenden Knallern der abgefeuerten Musketen, wälzt sich über die Promenade. Er hüllt ein quirlig und ausgelassen feierndes Völkchen von Sollerics und Besuchern gleich mit ein: Touristen aus ganz Spanien und Umgebung. Heiß ist es, und die meisten der verwegen Kostümierten haben schon Schweißtropfen auf der geschminkten Stirn. Mit allen möglichen schwarzen Substanzen, wie Kohle, oder Schuhcreme und was sonst noch aus diesem düsteren Teil des Farbspektrums zu finden ist.

Die Menschen feiern friedfertig im Lärm der blitzenden Böller. Die Kostümierten schneiden wild gestikulierend furchterregende Grimassen, und posen im nächsten Moment lachend vor der Kamera, selbst wenn sie nicht darum gebeten wurden.. Zu späterer Tageszeit wogen Mauren und Christen einträchtig in das etwa 3 Kilometer entfernte Zentrum von Sóller. Um 20:00 Uhr beginnt die alljährlich choreographierte Kopie des historischen Kampfes um die Stadt. Die Zusammensetzung allerdings dürfte die historischen Paritäten ziemlich verzerrt darstellen. Dafür gibt es eigentlich nur einen Grund. Die Mauren waren schon damals wilder, auch bunter gekleidet und bewaffnet, als die vermutlich etwas „normaleren“ Insulaner, die Christen. Längst haben sich in Sóller Vereine sowohl von „Christen“ als auch „Mauren“ gebildet, die der alljährlich stattfindenden historischen Party eine gewisse Organisationsstruktur verleihen. Plastikkärtchen weisen, ganz zeitgemäß, die Mitglieder der jeweiligen Gruppen aus.

Und so mag es wohl vor mehr als 400 Jahren zugegangen sein. Cirka 1.800 Muselmanen (moros) versuchen auf 23 Schiffen, mit denen sie von Ibiza herüber gesegelt waren, jenen Teil der Balearen-Insel zu besetzen. Alle arbeitsfähigen Menschen sollten als Sklaven in den Vorderen Orient verschleppt werden. Die angesegelten Piraten hatten zudem vor der Plünderung der Insel, Vergewaltigung als brutales Vorspiel geplant. Doch die maurischen Korsaren hatten die Rechnung ohne die tapferen Frauen, die „ses valentes dones“ gemacht, die in der Nähe von „Pont d’ en Barona“ zu Knüppeln und Dreschwerkzeug griffen und den hormonell fehlgeleiteten Flegeln ihre notgeilen Ambitionen zügig austrieben.

Der geplante Eroberungsfeldzug der „moros“ ging gründlich und verlustreich daneben. Vor allem deshalb, weil die Sollerics offenbar kurzfristig eine gut funktionierende Hierarchie und Kommandostruktur sowie eine flexible Strategie mobilisieren und erfolgreich umsetzen konnten. Auch die Bilanz des Heldentodes fiel eindeutig zu Gunsten der Insulaner aus. Diese hatten sechs Opfer zu beklagen. Die unter der Halbmond Flagge angreifenden muselmanischen Piraten verloren 211 Mann. Was damals blutrünstige Schlacht und Kampf ums Überleben war, wird heute laut aber ausgelassen und aggressionsfrei, in gehörig von Pulverdampf geschwängerter Luft, nachgefeiert.

Die Menschenwalze ist aus dem Strandbereich des Hafens in der ersten Abenddämmerung längst in der historischen Altstadt von Sóller angekommen. Und wieder Heiterkeit, Lachen, Trinken und, mit fast infantiler Lust, Böller aus Musketen knallen lassen. Manche setzen auf die Mündung einen Strohhut, drücken ab und amüsieren sich, wie die völlig zerfetzte Kopfbedeckung zu Boden trudelt. Zwischen den gepflegten Bürgerhäusern, von denen viele prächtige Zeugnisse einer Jugendstilarchitektur und des Reichtums der Obstbauern von Sóller sind, stauen sich, wo es eng wird, die Partygänger auf dem Weg zum Marktplatz, den Bars, Restaurants, die Kathedrale und das mächtige Bankgebäude umringen. Dort wird dann später das Finale „feurioso“ des nachgespielten Maurenangriffs seinen knalligen Höhepunkt erleben. Hunderte von Maskierten und Kostümierten illustrieren, mal grimmig spielend, mal übermütig johlend, die historische Attacke der Männer aus dem Morgenland. Lebensgroße Puppen werden an einigen Bäumen rund um den Marktplatz „aufgeknüpft“. Damals war man nicht so zimperlich.

Und, um danach, so schreibt es Jahr für Jahr das gleiche Szenario vor, von den tapferen Sollerics nieder gemacht und zurück aus ihre Segelschiffe gejagt zu werden. So ganz sind die damals praktizierten Kriegslisten nicht mehr nachvollziehbar. Wehrbereite Männer sammeln sich um den tapferen Capitan Angelats. Der Pfarrer bringt Frauen, Kinder und Alte in den nahen Bergen der Tramuntana in Sicherheit. Die plündernden Mauren plündern bekommen es mit der Angst zu tun und fliehen auf ihre Schiffe. „Hoch lebe Sóller!“ schallt es seit jenen Tagen über die Hafenpromenade und durch die Mauern der pittoresken, verqualmten Oberstadt von Sóller.

Es ist zweite Montag im Monat Mai, an dem Sóller so völlig aus dem Häuschen ist. Am Dienstag ist in dem kleinen Ort mit seinem Naturhafen auch noch mal Feiertag, ein stiller. Mit einer feierlichen Prozession zur Kathedrale am malerischen Markplatz. Dort, an dessen Statue, ehren die Sollerics ihren Schutzheiligen Bartholomäus mit Blumen und Gebeten.

Sóller für Geniesser. Allein seine geografische Lage ist schon ein Augenschmaus: Das Jumeirah Port Sóller, das im Frühjahr 2012 eröffnet wurde und mit allen (höchsten) Annehmlichkeiten eines Luxusquartiers glänzt. Fünffach, denn so viele Sterne hat das Haus, das sich mit 120 Zimmern und 26 Suiten, wie eine Krone über  den felsigen Bergrücken oberhalb der Bucht von Port Sóller zeiht. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinen Füßen, die Marineakademie, der Leuchtturm und eine stets quirlige Brandung. Wirkte der langgezogene Bau in den ersten Tagen noch etwas gewöhnungsbedürftig, so hat er sich mit jedem weiteren Tag seines Bestehens mehr und mehr mit der klippigen, bergigen Landschaft Sóllers vermählt. Man hat sich auch optisch längst an den zweistöckigen Bau gewöhnt.

Der Pool weit oben im Gelände platziert, vermittelt dem Schwimmenden den Eindruck: „Noch ein paar Züge und Du bist im Meer!“ Eine höchst angenehme optische Täuschung.

Talise Spa. Das Jumeirah ist ein optimaler Ort, um sich dem Alltagsstress durch gezielte Entschleunigung zu entziehen. Das Talise Spa bietet dafür Wellness total auf 2.200 Quadratmetern Fläche: Mit Hammam, Outdoor-Pool und einem speziell für Jumeirah entwickeltes Behandlungskonzept, das dennoch individuelle Behandlungen möglich macht. Zum Einsatz kommen Kosmetika, die aus Naturprodukten der Insel, wie Orangen, Zitronen oder Mandeln gewonnen wurden. Dazu ein hochmodernes Fitness-Studio. 

Die gastronomischen Outlets. Sie erwarten seit dem 1. März, dem Ende der Winterpause, die Gäste, die nun auch zum „Es firó“ anreisen. Das Cap Roig (benannt nach dem einheimischen Fisch) verführt Feinschmecker zum einen mit einer innovativen balearischen Küche mit frischen Gourmet-Gerichten, vor allem aus dem Meer rund um Mallorca und von der Insel. Zum anderen kann der Gast die Farbspiele des Sonnenuntergangs blicknah auf der Terrasse genießen. Täglich von 18:30 bis 22:30 Uhr; Dort wird auch von 7:00 bis 11:00 Uhr, ein sehr reichhaltigen Frühstücksbüfffet präsentiert.

Ein wörtlich genommenes Highlight ist das „Es fanals“ (was auf deutsch Glaslaterne bedeutet) und sich am höchsten Punkt des Resorts befindet. In typisch mallorquinem Ambiente mit Holzdecke und Mosaikfußboden werden auch kleine und leichte Gerichte zubereitet, wie etwa Tapas oder andere Snacks. Neben den Klassikern der iberisch-balearischen Küche.

Vier Bars (Lobby Bar, Infinity Pool Bar, Sa Talaia Pool Bar und...) ...last not least die Sunset Lounge Bar fangen den Gast förmlich ab und auf. Wobei die Sunset Lounge Bar mit ihrem ungestörten Rundumblick auch die Optik mit der Sensorik vermählt. Hier kann man den Sonnenuntergang bei und mit einem exzellenten Wein willkommen heißen.

Das Agapanto.Der Duft von Blumen und Kräutern, vermischt mit dem herben Duft des nahen Meeres. Eine Poesie des Genießens: Bar und Restaurant Agapanto. Von der großen, von Blumen und Kräutern umsäumten, Terrasse spannt erfasst der Blick den Naturhafen. Je nach Tageszeit glänzen die Farben des Bergmassivs der Tramuntana im Hintergrund mit den Lichtspielen der untergehenden Sonne um die Wette. Wenn man sich der entspannenden Harmonie dieses Ortes hingibt, die Schönheit der einzigartigen Momente genießt, meldet sich, ganz von alleine, die Sehnsucht nach mediterran-mallorquinischer Küche und erlesenen Weinen. Aus der Erwartungshaltung wird dann ganz selbstverständlich ...eine Poesie des Genießens. Vorgetragen von einer Bayerin, der studierten Musikerin Maria Sturm (sie weiß sicher, wie eine gelungene Komposition die Sinne ansprechen kann!), die schon lange mit der Gastronomieszene auf Mallorca vertraut ist. Seit dem 28. Februar 2014 hat das Warten endlich wieder ein Ende. Und bevor kryptische Umschreibungen Ihrer Speisekarte die Zeilen füllen, hier eine kleine Auswahl der „Kompositionen“ Um bei der Klassik zu bleiben, könnte man die Karte in Anlehnung an Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten „Frühling“ nennen. Getragen von einer einfachen, aber überzeugenden Philosophie: Essen und genießen mit Achtsamkeit auf und Liebe zur Ernährung ! 

Als da wären:

  • Gratinierter Ziegenkäse, hausgemachtem Chutney und Gartensalat (8.50 €),
  • Rote Bete mit lauwarmen Meeresfrüchtesalat (11.90 €)
  • Gebeizte Kalbleber mit gegrilltem Chicoree und Orangenfilets (11.80 €)
  • Petersilienwurzelsalat mit Nüssen, Birnen und galizischem Käse (8.50 €)
  • Gegrillte Jakobsmuschel mit Fenchel und Apfel im Safransud (13.50 €)
  • Linguine mit Pesto und in Zitronenöl gebratenen Langostinos (16.90 €)
  • Gratinierte Lasagne mit Artischocken und Auberginen (14.90 €)
  • Weiße Bohnencremesuppe mit Chorizochip (7.20 €)
  • Seehecht im Kartoffelmantel mit rotem Sauerkraut (24.00 €)
  • Rinderfilet aus dem Bambuskorb, Gemüsepüree und Artischocken (25.00 €)

Drei Gänge Menü für 42 €

Restaurante Agapanto, Camino del faro 2 - 07108 Puerto de Sóller, Mallorca 

Tel. +34 971 63 38 60 - info@agapanto.com. Täglich von 12:00 to 01:00 Uhr. Im Oktober mittwochs geschlossen.

Die kleine fesche Schwester des Agapanto. In Sóller liegt auch das Sa Frontera, ein traditionsreiches Restaurant, das vor allem bei Einheimischen sehr beliebt ist. Nun hat es innen wie außen ein Facelifting, erfahren. Wiedereröffnung war am 1. April 2012. Eine von lauschigem Grün umgebene Terrasse mit kleinem Garten. Dennoch kommen die Sóllerics sowie Feriengäste aus alter (und neuer) Verbundenheit gerne in das Restaurant auf der alten Ortsgrenze (daher der Name). Auch hier eine bodenständige, aber sehr feine mallorquinische Küche: Pambolis, Bocadillos, Pastas, viele Salate, Menu del Dia und Tapas. Zubereitet von drei einheimischen Köchinnen. Das Personal besteht komplett aus Mallorquinern.

Bar & Restaurante Sa Frontera, Carretera de Deià - 07100 Sóller, Tel +34 971 633308, info@agapanto.com, www.agapanto.com. Täglich von 08:00 bis 23:00 Uhr; Sonntag Ruhetag.

Sóller für Anfänger und Fortgeschrittene

Liebenswerte Eisenbahngeschichte. Seit 100 Jahren Jahre pendeln die Waggons aus Edelholz die 27 Kilometer zwischen Port Sóller und Palma auf einer Route zwischen Bergen und Tälern hin und her. Bis in die 70-er Jahre diente die Bahn ausschließlich der Beförderung von Fracht, auch von den Millionen Tonnen von Zitrusfrüchten, die auf den vom Tramuntana Gebirge geschützten Farmen von Sóller geerntet werden. 1929 wurde die Bahn von Dampf- auf Elektrobetrieb umgestellt. Heute benutzen nur noch Passagiere den Zug.

Im Bahnhof von Sóller sind 50 Keramikarbeiten von Pablo Picasso ausgestellt, ebenso wie Arbeiten von Joan Miró, dessen Großvater aus Sóller stammte. Die Altstadt von Sóller bietet jede Menge an kulturellen Fundsachen: Straße der Künstler, Jugendstilmuseum mit hydraulischen Kacheln und Skulpturen im Garten.

Wer nach den tollen Tagen von Sóller trommelfellschonende Ruhe sucht, der sollte Ecovinyassa besuchen, die einzige Farm Mallorcas, auf der Zitrusfrüchte bereits seit Jahren ökologisch angebaut werden. Der 66 –jährige Joan Puigsever ist dort Herr über Haus und Hof. Er führt die Gäste durch einen Musterhain, erklärt die Eigenarten und Eigenschaften der einzelnen Sorten. Unermüdlich spazieren (glücklich) gackernde Hühner zwischen den Bäumen herum. Der Boden enthält keine Chemie. Die Hinterlassenschaft des Federviehs düngt die ca. 2.500 Bäume der Ökofarm, die p.a. etwa 15 Tonnen Zitrusfrüchte tragen.

Unterkunft in Sóller: Das „Jumeirah“ Resort Port de Sóller an einer der schönsten Steilküsten der Insel gelegen, hat zum Es firó ein spezielles Programm, (10. bis 13. Mai 2014) aufgelegt. Infos, Buchung unter  www.airtours.de

Die Reise wurde unterstützt von airtours und Jumeirah Hotels

Alexander Wischnewski

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