Zwei Königshäuser tauschen die Macht bei KEMPINSKI

Machtwechsel bei der Hotelkette Kempinski: Das Königshaus von Thailand übergab die Mehrheit an die Scheichs von Bahrain. Damit geht eine turbulente Zeit für die älteste Hotelmarke Europas zu Ende.

Es ist eine ungewöhnliche Tauschaktion, die sich in der abgeschotteten Welt der Königshäuser und ihrer Milliardenvermögen abspielt.

Die Luxushotelkette Kempinski gehört jetzt nicht mehr mehrheitlich der Vermögensverwaltung des thailändischen Königshauses. Stattdessen ist das Königreich Bahrain neuer Hauptaktionär der Kempinski AG mit Sitz in München.

13 Jahre lang hielt die thailändische Regierungsbehörde Crown Property Bureau (CPB) die Mehrheit, mit angeblich 85 Prozent der Aktien. Bahrain war hingegen Minderheitsaktionär. Nun haben Thailand und Bahrain ihre Anteile an der Hotelkette getauscht.

Kempinski, nach eigenen Angaben Europas älteste unabhängige Hotelmarke Europas, hat viele Besonderheiten. In den 1990er-Jahren verkaufte die Kette einen Großteil der eigenen Hotels. Jetzt ist lediglich noch ein Hotel im Eigentum der Gruppe: Das „Vier Jahreszeiten“ in München.

Einige wenige Hotels hat die Kempinski-Gruppe gepachtet, wie das Hotel „Adlon“ in Berlin bis mindestens zum Jahr 2032. Die bis dahin fälligen Mieten summieren sich auf über 255 Millionen Euro. Für den weit überwiegenden Teil der Hotels gibt es nur Betriebsführungsverträge.

Mit 75 Hotels in 30 Ländern gehört Kempinski zur Klasse der eher kleinen Betreiber von Edelhotels und ist nicht zu vergleichen mit den Branchenriesen, wie beispielsweise mit dem Ende 2015 verkündeten Zusammenschluss aus Marriott und Starwood mit 5500 Hotels und 1,1 Millionen Zimmern. Oder der Hilton-Gruppe mit 13 Hotel-Marken, 4820 Hotels und dem Finanzinvestor Blackstone als Großaktionär.

Es ist ein offenes Branchengeheimnis, dass die Großen auch Kempinski als Übernahmeziel im Visier hatten. Dennoch will die Kette, die in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen feiert, ihre Sonderrolle beibehalten. Auch nach dem Mehrheitstausch von Thailand zu Bahrain blieben beide Anteilseigner laut Presseverlautbarung „weiterhin der Kempinski AG und ihrem langfristigen Erfolg verpflichtet“.

Mit der Neuordnung der Macht bei Kempinski setzen die beiden Großaktionäre nun einen Schlusspunkt unter die Unruhen in den vergangenen gut zwei Jahren. In der wechselvollen Geschichte der Kempinski-Gruppe scheint damit eine längere Phase der Stabilität angebrochen.

Turbulente Zeiten in der Führungsspitze

Die vorherigen Turbulenzen begannen mit dem Ausscheiden des langjährigen Vorstandschefs Reto Wittwer unter nicht geklärten Umständen im Oktober 2014. Es folgte eine Schlammschlacht um angebliche betrügerische Millionenzahlungen, die der Ex-Chefbestritt. Auch sein Nachfolger hielt sich nicht lange. Zudem gab es abrupte Wechsel im Aufsichtsrat.

Im Frühjahr 2016 übernahm dann der Deutsche Markus Semer den Vorstandsvorsitz. Auf einem Fachkongress in Berlin erklärte er vor wenigen Wochen, dass Kempinski nicht zum Verkauf stünde. „Man hat versucht, uns sturmreif zu schießen, aber wir werden nicht verkauft“, erklärte der 40-Jährige.

Semer wertet als Wettbewerbsvorteil, dass Kempinski nach dem Eigentümertausch eine unabhängige europäische Luxushotel-Management-Gruppe bleibt. Zum neuen Aufsichtsratschef wurde Abdulla H. Saif, Ex-Finanzminister und jetzt Berater im Königshaus von Bahrain, berufen.

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